Unter Einem Himmel

400 Jahre Götter, Menschen und Tiere in der japanischen Kunst
11.10.2026 – 11.04.2027

Ancient Japanese Artwork

Kuratiert von Khanh Trinh

Wie haben Menschen ihren Platz in einer Welt verstanden, die sie mit Göttern, Tieren und ihren Mitmenschen teilen? Unter einem Himmel: 400 Jahre Götter, Menschen und Tiere in der japanischen Kunst geht dieser zeitlosen Frage anhand einer außergewöhnlichen Auswahl von Meisterwerken aus der Sammlung Viktor und Marianne Langen nach.

Über vier Jahrhunderte japanischen Kunstschaffens hinweg vereint die Ausstellung rund siebzig Werke – darunter Stellschirme, Hängerollbilder, Handrollen, Skulpturen, Inrō, Netsuke und kunstvolle Gebrauchsgegenstände – zu einer reichen Bildwelt, in der das Göttliche, das Menschliche und das Tierische nicht als getrennte Sphären erscheinen, sondern als miteinander verwobene Dimensionen eines gemeinsamen Daseins. Mit meisterhafter Handwerkskunst und außergewöhnlicher Vorstellungskraft schufen japanische Künstler*innen Bilder, die bis heute zum Nachdenken über das Verhältnis von Natur, Spiritualität und Alltag einladen.

Den Auftakt bildet ein eindrucksvolles Ensemble von Porträts, in dem buddhistische und shintoistische Gottheiten in einen Dialog mit erleuchteten Zen-Meistern und Darstellungen schöner Frauen treten. In der japanischen Porträtkunst war das äußere Erscheinungsbild stets nur ein Teil der Erzählung: In Gesichtern, Gesten, Kleidung und Attributen spiegelten sich Charakter, spirituelle Vollendung, soziale Identität und Schönheitsideale gleichermaßen wider. So werden diese Werke zu weit mehr als bloßen Bildnissen Einzelner – sie sind Ausdruck der Werte und Sehnsüchte ihrer Zeit.

Von dort führt die Ausstellung in eine lebendige Menagerie realer und imaginärer Wesen, in der majestätische Falken, schelmische Affen, mächtige Löwen und exotische Elefanten einen zentralen Platz einnehmen. Tiere erscheinen in der japanischen Bildkultur nie bloß als dekoratives Motiv, sondern als bedeutungsvolle Akteure innerhalb der sozialen und spirituellen Ordnung: als Boten der Götter, Beschützer des Hauses, Glückssymbole und Protagonisten überlieferter Geschichten. Durch sie werden die Grenzen zwischen der natürlichen und der übernatürlichen Welt auf wunderbare Weise durchlässig.

Als Brücke zwischen der Welt der Menschen und jener der Tiere widmet sich ein eigener Ausstellungsbereich einer der markantesten Eigenschaften der japanischen Kunst: der Freude am Spielerischen. Seit Jahrhunderten nutzen Künstler*innen Humor, Parodie und Satire, um religiöse Lehren, moralische Botschaften und gesellschaftliche Kommentare zu vermitteln – furchterregende Wesen werden durch Übertreibung liebenswert, während heilige Figuren durch feine Karikatur einen entwaffnend menschlichen Charakter gewinnen. Hinter diesem Humor verbirgt sich ein raffiniertes Gespür für die Kraft des Lachens, die zu unterhalten, zu belehren und selbst das Heilige dem Alltag näherzubringen vermag.

So begegnen die Besucher*innen auf ihrem Rundgang immer wieder dem außergewöhnlichen Einfallsreichtum japanischer Maler*innen und Kunsthandwerker*innen, die vertraute Themen und Bildtraditionen stets neu interpretierten. Ob eindrucksvolle Gottheiten, gefeierte historische Persönlichkeiten oder bezaubernde Tiere – aus etablierten Motiven schufen sie ein unendlich vielfältiges, faszinierendes Bilderrepertoire.

Schlussendlich zeichnet Unter einem Himmel das Bild einer Weltanschauung, in der das Heilige und das Alltägliche, das Menschliche und das Tierische, das Komische und das Erhabene in ständigem Dialog miteinander standen. Vom fünfzehnten bis zum neunzehnten Jahrhundert, zeigt die Ausstellung, wie Generationen japanischer Künstler*innen ein Universum dachten, das von Verbundenheit statt von Trennung geprägt war.

Indem Unter einem Himmel all diese Stränge zusammenführt, lädt die Ausstellung dazu ein, einer zeitlosen Frage nachzuspüren: Was bedeutet es, Teil einer größeren Gemeinschaft von Lebewesen zu sein, die alle unter demselben Himmel leben?

Zur Kuratorin: Khanh Trinh schloss ihr Studium der Ostasiatischen Kunstgeschichte, Japanologie und Sinologie an der Universität Zürich im Jahr 2000 mit einer Promotion über den japanischen Maler Tani Bunchō (1763–1840) ab. Von 1997 bis 2015 wirkte sie als Dozentin und Kuratorin für japanische Kunst in Berlin, Rom, Tokio und Sydney, ehe sie 2015 die Position der Kuratorin für Japanische und Koreanische Kunst am Museum Rietberg Zürich übernahm. In ihrer wissenschaftlichen und kuratorischen Arbeit widmet sie sich vor allem den sozialen und kulturellen Kontexten der japanischen Kunstproduktion im 18. und 19. Jahrhundert. Als Kuratorin und Autorin hat sie an zahlreichen Ausstellungen mitgewirkt und zu den begleitenden Publikationen beigetragen; darüber hinaus publiziert sie regelmäßig zu verschiedenen Aspekten der japanischen Malerei und angewandten Kunst der Edo-Zeit (1603–1868) sowie zur zeitgenössischen japanischen und koreanischen Kunst.Khanh Trinh schloss ihr Studium der Ostasiatischen Kunstgeschichte, Japanologie und Sinologie an der Universität Zürich im Jahr 2000 mit einer Promotion über den japanischen Maler Tani Bunchō (1763–1840) ab. Von 1997 bis 2015 wirkte sie als Dozentin und Kuratorin für japanische Kunst in Berlin, Rom, Tokio und Sydney, ehe sie 2015 die Position der Kuratorin für Japanische und Koreanische Kunst am Museum Rietberg Zürich übernahm. In ihrer wissenschaftlichen und kuratorischen Arbeit widmet sie sich vor allem den sozialen und kulturellen Kontexten der japanischen Kunstproduktion im 18. und 19. Jahrhundert. Als Kuratorin und Autorin hat sie an zahlreichen Ausstellungen mitgewirkt und zu den begleitenden Publikationen beigetragen; darüber hinaus publiziert sie regelmäßig zu verschiedenen Aspekten der japanischen Malerei und angewandten Kunst der Edo-Zeit (1603–1868) sowie zur zeitgenössischen japanischen und koreanischen Kunst.